Neuverschuldung und Zinslast des Bundes

Die Neuverschuldung des Bundes - Entwicklung und Prognose

 

Nettokreditaufnahme des Bundes

Die Nettokreditaufnahme (umgangssprachlich Neuverschuldung) konnte in den vergangenen Jahren vorwiegend aufgrund gestiegener Steuereinnahmen und niedriger Zinsen gesenkt werden. Die Grafik zeigt die jährliche Nettokreditaufnahme (Schuldenaufnahme abzüglich Schuldentilgung) des Bundes von 2002 bis 2022. Die Ist-Zahlen sind in roten Säulen, die Soll- bzw. Planungszahlen sind grün markiert.

Die “Schwarze Null” steht. Der Bundeshaushalt soll in allen Jahren des Finanzplanungszeitraums bis 2022 ohne neue Schulden auskommen. Der erstmals 2014 erreichte Haushaltsausgleich ohne Nettokreditaufnahme soll dauerhaft verstetigt werden.

Hinweis: Die Grafik verdeutlicht anhand der drei kleiner werdenden roten Säulen ganz links, dass die Neuverschuldung bereits von 2004 bis 2008 deutlich gesenkt werden konnte, dann aber als Folge der globalen Finanzkrise wieder stark anstieg. Ab 2014 konnte die Neuverschuldung dann auf Null gesenkt werden.

Siehe auch Stichwort "Schuldenbremse" und Anmerkungen weiter unten.


Die Zinslast des Bundes - Entwicklung und Prognose

 

Zinslast des Bundes

Die Grafik zeigt die Entwicklung der jährlichen Zinsausgaben des Bundes, die mit rund 90 Prozent den wesentlichen Teil der sogenannten Bundesschuld ausmachen (der Rest sind Bürgschaften, Garantien und sonstige Gewährleistungen). Die Ist-Zinsausgaben (rote Säulen) werden mit den Soll-Ausgaben (gelbe Säulen) verglichen.

Die Zinsausgaben werden gemäß Finanzplan des Bundes bis 2022 wie folgt prognostiziert (Zahlen gerundet):

2018 = 18,2 Milliarden Euro (Soll)
2019 = 18,9 Milliarden Euro (Soll)
2020 = 19,3 Milliarden Euro (Finanzplan)
2021 = 19,6 Milliarden Euro (Finanzplan)
2020 = 19,9 Milliarden Euro (Finanzplan)

Die prognostizierten Zahlen sind natürlich stark abhängig von den konjunkturellen und finanzmarktpolitischen Entwicklungen. Sicher ist, dass auch ohne Neuverschuldung mittelfristig die jährlichen Zinsausgaben des Bundes steigen werden.

Details zu den Zinsausgaben des Bundes siehe Anmerkungen weiter unten.

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•  Die Schulden der öffentlichen Hand


Stichwort "Schuldenbremse"

(1) Begriffsbestimmung

Die Schuldenbremse ist eine verfassungsrechtliche Regelung mit dem Ziel, die Staatsverschuldung Deutschlands zu begrenzen. Sie wurde im Grundgesetz verankert und verpflichtet Bund und Länder, grundsätzlich ausgeglichene Haushalte ohne Aufnahme von Krediten zu erstellen. Die Schuldenregel wurde von der Föderalismuskommission II Anfang 2009 beschlossen und macht Bund und Ländern ab 2011 verbindliche Vorgaben zur Reduzierung des Haushaltsdefizits.

(2) Eckpunkte

  • Beim Bund ist eine strukturelle Verschuldung (also eine nicht konjunkturbedingte jährliche Nettokreditaufnahme) nur noch in Höhe von maximal 0,35 % des Bruttoinlandsproduktes zulässig (Beispiel siehe unten). Die Einhaltung der 0,35 % Grenze ist ab dem Jahr 2016 zwingend vorgeschrieben.
  • Für die Länder wird die Nettokreditaufnahme ganz verboten. Das Verbot der Nettokreditaufnahme tritt ab dem Jahr 2020 in Kraft.
  • Eine Ausnahmeregelung ist für Naturkatastrophen oder andere außergewöhnliche Notsituationen (z.B. schwere Rezession) vorgesehen und soll die notwendige Handlungsfähigkeit des Staates zur Krisenbewältigung sichern.
  • Konjunkturellen Effekten soll besser Rechnung getragen werden: Eine konjunkturbedingte Erhöhung der Kreditaufnahme in Abschwungphasen muss in Aufschwungphasen auch wieder ausgeglichen werden.
  • Drohende Haushaltsnotlagen sollen künftig schneller erahnt und so besser bekämpft werden. Dazu wird ein Stabilitätsrat geschaffen, der die Haushalte von Bund und den einzelnen Ländern überwacht, Haushaltsnotlagen vermeiden soll und bei Bedarf ein Sanierungsverfahren einleiten kann.

(3) Ein Beispiel

Angenommen, das Bruttoinlandsprodukt beträgt 3.000 Mrd. Euro. Die maximal erlaubte strukturelle Neuverschuldung des Bundes wäre dann 0,35 % von 3.000 Mrd. Euro, also rund 10 Mrd. Euro. Dies wäre zwar eine deutliche Reduzierung der Neuverschuldung im Vergleich zu heute, aber auch diese 10 Mrd. Euro wären neue Schulden, die zusätzlich auf den Schuldenberg des Bundes gehäuft und damit zu höheren Zinsaufwendungen führen würden. Und Vorsicht: Zusätzlich zur strukturellen Neuverschuldung ist eine konjunkturbedingte Neuverschuldung erlaubt. Auch diese kann in den ein- bis zweistelligen Milliardenbetrag gehen.


Stichwort "Neuverschuldung" (Nettokreditaufnahme)

Zur Erinnerung: Eine Verringerung der Neuverschuldung bedeutet lediglich, dass "weniger mehr" neue Schulden gemacht werden! Für jeden zusätzlichen Euro des staatlichen Schuldenbergs müssen Zinsen gezahlt werden. Wir haben in den vergangenen Jahren keine Schulden abgebaut, sondern die Neuverschuldung, sprich Nettokreditaufnahme, reduziert.

Seit 2014 steht die “Schwarze Null”

Zum ersten Mal seit 1969 konnte der Bundeshaushalt im Jahr 2014 ohne Neuverschuldung ausgeglichen werden. Die Schwarze Null - der Traum jedes Finanzministers - soll den Beginn eines ausgeglichenen Bundeshaushalts für den gesamten Finanzplanungszeitraum bis 2020 markieren.  Über die Legislaturperiode gerechnet sollen

  • die Ausgaben weniger steigen als das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP)
  • die Stabilitätskriterien für Defizit- und Schuldenquote nach dem verschärften europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt eingehalten werden
  • die nationale Schuldenregel ("Schuldenbremse") mit großem Sicherheitsabstand eingehalten werden

Rückblick
Die Neuverschuldung sollte ursprünglich bereits bis 2011 auf Null Euro gesenkt werden. Die Chancen dafür standen gut, jedoch hatte die globale Wirtschafts- und Finanzkrise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin: Die reale Neuverschuldung für 2010 konnte im Vergleich zu dem angesetzten Soll in Höhe von ursprünglich 80,2 Milliarden Euro aufgrund der anspringenden Konjunktur zwar auf rund 44 Milliarden Euro nahezu halbiert werden, bleibt aber dennoch die höchste Nettokreditaufnahme in der Geschichte der Bundesrepublik.

Ausblick
Die innerhalb der Vorgaben der Schuldenbremse geplante strukturelle Neuverschuldung des Bundes wird zwar deutlich reduziert, dennoch dürfte sich auch dann der Schuldenberg der öffentlichen Hand insgesamt mittelfristig erhöhen. Die Staatsverschuldung hatte 2010 bereits die 2 Billionen-Euro-Marke (2.000 Milliarden Euro) überschritten. Somit lasten heute auf jedem Bundesbürger rund 25.000 Euro Staatsschulden. Pessimisten befürchten, dass der Schuldenberg bis zum Jahr 2050 auf gigantische 8 Billionen Euro steigen könnte.

Hinweis: Wenn die Neuverschuldung die veranschlagten Investitionen übersteigt, muss eine "Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichtes" festgestellt werden.


Stichwort "Zinsausgaben" (Bundesschuld)

Die Zinslast versteckt sich im Bundeshaushalt hinter der sogenannten "Bundesschuld". Dahinter verbergen sich Zinsen, keine Tilgungen(!) - also Geld, das durch den Schornstein raucht, ohne dass damit auch nur ein einziger Euro des Schuldenberges abgebaut würde. Natürlich werden regelmäßig Altschulden getilgt, jedoch ergibt sich per Saldo aufgrund der jährlichen Neuverschuldung ein langfristig steter Anstieg der Zinsausgaben.

Rückblick
Bis einschließlich 2008 stiegen die Zinsausgaben moderat, aber stetig. Mit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise profitiert der Bund von niedrigeren Zinssätzen. Der Bund konnte dadurch verstärkt "Umschulden", d.h. Kredite mit höheren Zinssätzen durch solche mit niedrigeren Zinssätzen ablösen. Die Zinsausgaben von 2008 bis 2017 konnten so deutlich gesenkt werden.

Ausblick
Ab 2018 muss wieder mit leicht steigenden Aufwendungen gerechnet werden, da die Zinssätze mit anspringender globaler Konjunktur wieder steigen dürften. Da derzeit noch immer vergleichsweise günstige Anschlussfinanzierungen für Bundesschulden möglich sind, liegen die Zinsausgabenansätze trotz des unterstellten allmählich ansteigenden Zinsniveaus weiterhin auf einem im langjährigen Vergleich niedrigen Niveau und sollten im Finanzplanungszeitraum bis 2022 nur moderat ansteigen.