Das Privatvermögen in Deutschland

SPOTLIGHT: Das Geldvermögen der privaten Haushalte erhöhte sich 2016 um rund 250 Milliarden auf 5.765 Mrd. Euro brutto. Im gleichen Zeitraum stiegen die Verbindlichkeiten nur geringfügig auf 1.686 Mrd. Euro an. (Datenquelle: Bundesbank)


Privatvermögen - der Vermögensberg der Deutschen (Zusammensetzung des Vermögens)

Der Vermögensberg der Deutschen

Herzlichen Glückwunsch! Das Gesamtvermögen der privaten Haushalte in Deutschland war im Jahr 2016 mit rund 13.400 Milliarden Euro fast so groß wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Europäischen Union im gleichen Jahr.

Das linke Diagramm zeigt die Entwicklung des Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland. Dieses ist 2016 auf eine Höhe von rund 5.765 Milliarden Euro angewachsen. Das ist das Zweiundzwanzigfache des privaten Geldvermögens aus dem Jahr 1970 (siehe grüne Säulen im linken Diagramm der Grafik). Allein seit Beginn der neunziger Jahre hat sich das Geldvermögen des privaten Haushaltssektors nahezu vervierfacht.

Die mittleren Kästen (hellgelb) zeigen die prozentuale Zusammensetzung des Geldvermögens, dabei u.a. Bargeld und Geldeinlagen bei Banken, Ansprüche gegenüber Versicherungen, Aktien, festverzinsliche Wertpapiere.

Die rechte Säule markiert die Zusammensetzung des Gesamtvermögens (ohne Gebrauchsvermögen) der privaten Haushalte einschließlich der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck im Jahr 2016 in Euro wie folgt

•  5.765 Milliarden Geldvermögen (brutto - grün)
•  2.718 Milliarden Grund und Boden (hellbraun)
•  4.907 Milliarden Anlagevermögen (netto - dunkelgelb)

Insgesamt verfügt der private Haushaltssektor über ein Gesamtvermögen von rund 13.390 Milliarden Euro brutto. Das ist mehr als das Vierfache des derzeitigen jährlichen Bruttoinlandsprodukts Deutschlands und weit mehr als das Fünffache des Schuldenbergs der öffentlichen Hand.

Zählt man auch das Gebrauchsvermögen 2016 in Höhe von 1,043 Mrd. Euro hinzu, so kommt man auf insgesamt rund 14.400 Milliarden Euro. Werden hiervon die Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1.690 Milliarden abgezogen, erhält man ein Reinvermögen von 11.700 (ohne Gebrauchsvermögen) bzw.  12.700 Mrd. Euro inklusive Gebrauchsvermögen.

Allerdings: Das Privatvermögen in Deutschland ist sehr ungleichmäßig verteilt. Diese interne Webseite sollten Sie in diesem Zusammenhang unbedingt lesen
•  Die Vermögensverteilung in Deutschland

Weiterführende externe Links


Begriffsproblematik

Öffentliche Aussagen zur Höhe und Verteilung des Privatvermögens in Deutschland beziehen sich in der Regel auf das sogenannte Reinvermögen, benutzen hierfür aber den im allgemeinen Sprachgebrauch üblichen Begriff Nettovermögen, so zum Beispiel auch der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vom März 2013: "Das private Nettovermögen... stieg [2011] auf gut zehn Billionen Euro an."

Das Dilemma: Brutto und Netto werden unterschiedlich definiert.

  • Die Bundesbank verwendet die Begriffe Brutto und Netto wie folgt: Bruttogeldvermögen ist die Gesamtheit aller Geldwerte, Nettogeldvermögen ist das Brutto abzüglich der Kredite und sonstigen Verbindlichkeiten.
  • Das Statistische Bundesamt verwendet in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) die Begriffe Brutto und Netto wie folgt: Bruttovermögen ist der Neuwert, Nettovermögen ist der Zeitwert (Neuwert abzüglich Abschreibungen) von Anlagen, jeweils zu Wiederbeschaffungspreisen.
  • In den sogenannten integrierten Vermögensbilanzen, die jährlich vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank veröffentlicht werden, erscheinen das von der Deutschen Bundesbank berechnete Geldvermögen als Bruttowert und die vom Statistischen Bundesamt berechneten Anlage-und Gebrauchsvermögen als sogenannte Nettowerte.

Wir behalten die Begriffe Gesamtvermögen (umgangssprachlich Bruttovermögen) und Reinvermögen (umgangssprachlich Nettovermögen) bei und definieren diese wie folgt:

Gesamtvermögen

  • Geldvermögen (brutto)
  • Anlagevermögen (netto=Zeitwert)
  • Grund und Boden (Ist-Wert), da hierauf keine Abschreibungen erfolgen.

Reinvermögen

  • Geldvermögen (netto), d.h. brutto abzüglich Kredite und sonstige Verbindlichkeiten
  • Anlagevermögen (netto=Zeitwert)
  • Grund und Boden (Ist-Wert).

Bitte beachten und nicht irritieren lassen: Zu beiden Vermögenswerten kann - und unserer Meinung sollte - das real existierende Gebrauchsvermögen (netto =Zeitwert) hinzugerechnet werden, wodurch sich die Vermögenswerte entsprechend erhöhen - 2015 um jeweils rund 1.000 Milliarden Euro.


Vorsicht: Datenwirrwarr und Interpretationsfallen

Alleinige und belastbare Datenquelle dieser Webseite sind die sogenannten integrierten Vermögensbilanzen, die jährlich im Herbst vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank unter dem Titel "Sektorale und Gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanzen" veröffentlicht werden.

Andere Daten zum Privatvermögen, die im Rahmen unterschiedlicher Befragungen, Panels, Studien und Berichte veröffentlicht werden, sind mit den Daten der integrierten Vermögensbilanzen nicht bzw. nur bedingt kompatibel. Ihre Veröffentlichung führt regelmäßig zu Irritationen über die korrekte Datenlage.

Um diese Webseite nicht zu überfrachten, haben wir diese Datenproblematik auf einer eigenen Webseite zusammengestellt
•  Privatvermögen - Definitionsvielfalt und Interpretationsfallen