Terrorgruppen im Nahen Osten

Für den Israel-Palästina-Konflikt relevante Terrorgruppen

Für den Israel-Palästina-Konflikt relevante Gruppierungen

Die Übersicht verdeutlicht die Komplexität der derzeitigen Machtverhältnisse und Strukturen im engeren Nahen Osten. Fast alle Gruppen begründen ihre Existenz mit dem Kampf für einen palästinensischen Staat. Tatsächlich aber haben viele von ihnen nicht bzw. nicht nur den Kampf für einen selbständigen Staat Palästina zum Ziel, sondern die Vernichtung Israels und einen unheiligen "Heiligen Krieg" gegen Juden und Kreuzfahrer (sprich: christliche Europäer).

Die Grafik zeigt eine Auswahl wichtiger Gruppierungen im Nahen Osten, die eng mit dem Konflikt Israel-Palästina verbunden sind (der sogenannte "Islamische Staat" zählt nicht dazu). Von der EU und anderen als terroristisch eingestufte Gruppen sind in Rot gekennzeichnet.

  1. In der oberen Ebene sind vier Hauptgruppen aufgezeigt: die PLO, deren größte Fraktion Fatah, die Hamas und die Hisbollah.
  2. In der mittleren Ebene sind die "bewaffneten Arme" von Fatah (al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden), Hamas (Qassam-Brigaden) und Hisbollah (Hisbollah-Miliz) eingezeichnet.
  3. In der unteren Ebene sind zwei ebenfalls zur PLO gehörenden Gruppierungen sowie der selbständig operierende Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) dargestellt.

Bitte beachten: Die Hisbollah ist keine palästinensische Organisation. Sie setzt sich vorwiegend aus libanesischen Schiiten zusammen. Da sie ähnliche Ziele wie die anderen Hauptgruppen verfolgt, wurde sie in die Grafik eingebunden.

Näheres zu den Gruppierungen finden Sie in den Erläuterungen und im Kommentar weiter unten sowie auf der internen Webseite
•  Islamistische Terrorgruppen


Das nahöstliche Beziehungsgeflecht - Terrorgruppen und Unterstützerstaaten

Das nahöstliche Beziehungsgeflecht

Die Grafik zeigt eine Auswahl nahöstlicher Gruppierungen und deren Beziehungen zu ihren Unterstützerstaaten. Der Schwerpunkt liegt auf den für den Israel-Palästina-Konflikt besonders relevanten Gruppen.

Die Legende der sehr komplexen Darstellung ist wie folgt:

  • Gelb, sandfarben und grün unterlegte Flächen: Staaten und Palästinensergebiete
  • Weiße Kästen: ausgewählte Gruppierungen
  • Rote Quadrate: die bewaffneten Arme der Gruppierungen bzw. im Fall des PIJ die Terrorgruppe selbst
  • Rote Punkte und rote Pfeillinien: Aktive Unterstützerstaaten (Iran, Syrien und zunehmend auch Katar) und im Fall der Hamas auch deren "Muttergesellschaft", die Muslimbrüder in Ägypten
  • Durchbrochene rote Pfeillinien: Lose Unterstützung, vorwiegend finanziell (Saudi-Arabien und Golfstaaten)
  • Grüne Linien: Zusammenarbeit zwischen Staaten (Iran-Syrien und bis 2011 bzw. ab 2016 Türkei-Israel)
  • Grüne Punkte: Friedensverträge Israels mit Ägypten und Jordanien
  • Weiße Ellipse im Bereich Irak/Syrien: "Islamischer Staat" (IS)

Für den interessierten Leser empfiehlt sich ein Nachschlagen zu Details der einzelnen Komponenten in Online und Offline Lexika; für Vortragende/Unterrichtende ist (aus eigener Erfahrung) eine ausführliche Einarbeitung in die Materie erforderlich.


Erläuterungen

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die allgemein als rechtmäßig anerkannte Vertretung der Palästinenser. Am 29. November 2012 erhielt die Vertretung der PLO den Beobachterstatus als "Staat Palästina" bei den Vereinten Nationen. Die PLO beansprucht Westbank, Gaza-Streifen und Ostjerusalem als "Staatsgebiet".

Innerhalb der PLO ist die Fatah die größte und einflussreichste Fraktion. Der Führer von PLO und Fatah ist identisch (derzeit Abbas, früher Arafat). Zu beachten ist, dass sich die Fatah derzeit zwar "offiziell" jeglicher Terroranschläge enthält, ihre al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden aber jederzeit Terroranschläge durchführen könnten.

Hauptkonkurrent bzw. - je nach Bedarf - Hauptgegner der PLO ist die Hamas. Die Hamas ist eine "Tochtergesellschaft" der ägyptischen Muslimbrüder. Die Hamas kontrolliert den seit 2005 von Israel geräumten Gaza-Streifen und führte mehrere bewaffnete Konflikte mit Israel, der jüngste in 2014.

Fatah und Hamas kämpfen nicht nur gegen Israel, sondern sie bekämpften sich auch gegenseitig (innerpalästinensischer Bürgerkrieg 2007). Im Juni 2014 wurde erstmals seit dem Bruch zwischen den Palästinensern vor sieben Jahren wieder eine Einheitsregierung von Fatah und Hamas gebildet. Die Minister des Übergangskabinetts sind - glücklicherweise(?) - jedoch keine Parteimitglieder, sondern Technokraten, die weder der gemäßigten Fatah von Abbas noch der radikalislamischen Hamas angehören.


Kommentar

Die Anerkennung eines selbständigen Staates Palästina ist zwar eine geschichtliche Notwendigkeit, löst aber nicht das Problem des Terrorismus im Nahen Osten:  solange es Terrorgruppen gibt, die die Vernichtung ("Ausradierung") Israels zum Ziel haben, wird es keinen Frieden im Nahen Osten geben; solange es bewaffnete Machtkämpfe zwischen verfeindeten Palästinensergruppen gibt, wird selbst nach einem Friedensschluss mit Israel der Terror weitergehen.

Etliche Muster lassen sich im organisatorischen Aufbau und den Machtstrukturen der Gruppierungen erkennen, die zugleich deren Ambivalenz verdeutlichen.

1.  Die meisten Gruppierungen verfügen sowohl über politische und/oder soziale als auch über militante Fraktionen. Der Vorteil: Die Führung kann sich bei Bedarf die Hände in Unschuld waschen und darauf verweisen, dass sie selbst nicht für die Terroranschläge verantwortlich gemacht werden kann.

Beispiel: Der Gaza-Konflikt 2014 wurde ausgelöst durch die Ermordung dreier israelischer Jugendlicher durch Hamas-Mitglieder. Erst nach Wochen bestätigte die politische Führung der Hamas diesen Sachverhalt, betonte aber, man hätte vorher nichts davon gewusst.

2.  Die meisten Gruppierungen bestehen aus gemäßigten und radikalen Fraktionen. Die Führungen sind für alle Fraktionen verantwortlich, also auch für ihre militanten und terroristischen Untergruppen.

Beispiel: Erfolgt ein von der Führung nicht "genehmigter" Terroranschlag, ist die Führung entweder unfähig oder unwillig, die Terrorgruppen zu kontrollieren. Oft trifft beides zu. Damit stellt sich die Frage nach einem seriösen Ansprech- und Verhandlungspartner.

3.  Sobald eine Gruppierung zu gemäßigt wird, spaltet sich die radikalere Fraktion ab und gründet eine neue Gruppe. Das Gleiche gilt umgekehrt: Bei Bedarf spaltet sich die gemäßigtere Gruppe ab.

Beispiel: Die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Hier spaltete sich zum einen die stärker auf den bewaffneten Kampf ausgerichtete Gruppe PFLP-Generalkommando (PFLP-GC) und zum anderen die für nahöstliche Verhältnisse weniger militante Positionen vertretende Demokratische Front zur Befreiung Palästinas (DFLP) ab.

4.  Da etliche der Gruppen in hartem Konkurrenzkampf stehen, werden nach Schätzungen vieler Beobachter durch Palästinenser mehr eigene Landsleute als Israelis umgebracht.

Beispiele: Die Verfolgung und Tötung von Fatah-Milizen, Mitgliedern und Anhängern während des Putsches 2007 (palästinensischer Bürgerkrieg) durch die Hamas im Gaza-Streifen und die Aburteilung ohne jegliches ordentliches Gerichtsverfahren von tatsächlichen oder vermuteten sogenannten Kollaborateuren und deren quasi standrechtliche Erschießung zum Ende des Gaza-Konflikts 2014.


Fazit

Viele Terrorgruppierungen begründen ihre Existenz mit dem Kampf für einen palästinensischen Staat. Tatsächlich aber haben die meisten von ihnen nicht bzw. nicht nur den Kampf für einen selbständigen Staat Palästina zum Ziel, sondern zum einen den Umsturz im eigenen Land, zum anderen einen "Heiligen Krieg gegen Juden und Kreuzfahrer"(sprich: christliche Europäer).

Die Anerkennung eines selbständigen Staates Palästina ist zwar eine geschichtliche Notwendigkeit, löst aber nicht das Problem des Terrorismus im Nahen Osten: Solange es Terrorgruppen gibt, die die Vernichtung ("Ausradierung") Israels zum Ziel haben, kann es keinen Frieden im Nahen Osten geben. Solange es Terrorgruppen gibt, die das Töten eigener Landsleute und muslimischer Glaubensbrüder zur heiligen Tat erklären, wird es keinen Frieden im Nahen Osten geben.