Globalisierung der Netzwerke

Terrorimus - die Globalisierung der Terrornetzwerke

Ideologische, operative und nukleare Aspekte

Die Grafik zeigt drei Beispiele von Netzwerken auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Gemeinsam ist ihnen die Relevanz zu Aspekten des internationalen Terrorismus. Die dargestellten Netzwerke sind:

Muslimbruderschaft
(in der Grafik in Grün)

Die Muslimbruderschaft wurde bereits 1928 gegen die "westliche Dominanz" (damals symbolisiert durch Großbritannien und Frankreich) in Ägypten gegründet wurde. Heute ist sie nach eigenen Angaben in über 70 Staaten verbreitet. Offiziell ist sie in erster Linie vor allem im sozialen, kulturellen und religiösen Bereich tätig, sie unterstützt aber auch militante Gruppen (z.B. gilt die im Gazastreifen herrschende Hamas als eine ihrer "Tochterorganisationen")

El Kaida
(in der Grafik in Rot)

Die von dem Saudi Osama Bin Laden gegründete Organisation war in ihren Anfängen straff organisiert. Inzwischen mutierte die Terrororganisation zum Prototyp des internationalen Terrorismus. Zum einen ist sie heute eine Art "Dachorganisation" lose mit ihr verbundener terroristischer Regionalgruppen (z.B. im Irak, auf der saudi-arabischen Halbinsel oder im Maghreb), zum anderen bietet sie den "ideologisch-operativen Überbau" von Nachfolge- und Möchtegern-Terroristen.

A.Q.-Khan-Netzwerk
(in der Grafik in Blau)

Diese Netzwerk diente der Verbreitung von Nukleartechnologie. Das von dem Pakistani Abdul Qadeer Kahn gegründete Netzwerk flog Ende 2003 auf und versorgte bis dahin insbesondere Libyen, Iran, Nordkorea und möglicherweise weitere Staaten und nichtstaatlichen Akteure mit nukleartechnischem Wissen und Material (insbesondere Gaszentrifugen). A.Q. Khan ist der Vater der pakistanischen Atombombe, studierte in Europa und gilt heute in Pakistan als Nationalheld.


Kommentar

Die o.a. Beispiele verdeutlichen, dass die Globalisierung auch vor den Netzwerken nicht Halt macht - Internet sei Dank. Zudem lassen sich hieraus wichtige Erkenntnisse gewinnen, die mit manchen gängigen Klischees aufräumen:

1. Das Gründungsdatum der Muslimbruderschaft zeigt, dass der Kampf gegen die westliche Dominanz weit älter ist als das heutige Nahost-Problem. 1928 existierte weder der Staat Israel noch gab es die globale Dominanz der USA. Wer also glaubt, dass mit einer multipolaren Weltordnung oder mit einer Lösung des Nahostkonflikts der Islamismus verschwinden würde, fällt auf islamistische Propaganda herein. Vielmehr werden beide Faktoren insbesondere in islamischen Staaten geschickt instrumentalisiert - wobei zu bezweifeln ist, ob z.B. ein durchschnittlicher indonesischer Moslem überhaupt weiß, wo Israel, die Westbank oder der Gazastreifen liegen und wer die Palästinenser sind.

2. Das globale Terrornetzwerk El Kaida (al-Qaida) wurde zum Synonym für den transnationalen Terror. Sein Kopf, der Multimillionär Osama Bin Laden, macht deutlich, dass der Nährboden für Terrorismus sich nicht allein und in erster Linie an Armut, Hunger oder Unterdrückung festmachen lässt. Zudem missbrauchte und pervertierte der selbsternannte Führer des "privatisierten" Terrors die Weltreligion Islam.

3. Das transnationale A.Q.-Khan-Netzwerk blieb lange Zeit unentdeckt und wurde erst mit dem Aufbringen einer Schiffslieferung nach Libyen im Dezember 2003 enttarnt. Dies zeigt zweierlei: Erstens, dass geschickt operierende Proliferationsnetzwerke auch in Zeiten der Globalisierung lange unentdeckt operieren können. Zweitens, dass die eingestandene Zulieferung von Software und Hardware in die Problemstaaten entlang der Linie Libyen-Iran-Nordkorea den oft belächelten Begriff von der "Achse des Bösen" in einem anderen Licht erscheinen lässt...

Hinweis

Sie können das El Kaida-Netzwerk auch gerne durch dessen inzwischen international dominierenden Konkurrenten, den sogenannten "Islamischer Staat" (IS) ersetzen.