Afrika und Europa als Partner

Afrika und Europa als Partner - Gipfeltreffen und Initiativen

Europäisch-afrikanische Partnerschaft

Nach dem ersten EU-Afrika Gipfel in 2000 (mit wenig substantiellen Ergebnissen) fand Anfang Dezember 2007 der zweite EU-Afrika Gipfel in Lissabon statt - nach immerhin fast sieben Jahren.

Wachgerüttelt wurden die Europäer vor allem durch die Aktivitäten anderer globaler Player (z.B. China, USA) in Afrika. Der dritte Gipfel fand 2010 in Tripolis statt - mit Ghaddafi als Gastgeber (sic), der vierte Gipfel im Frühjahr 2014 in Brüssel und der jüngste Gipfel in Abidjan, Elfenbeinküste. Der nächste Gipfel ist im traditionellen 3-Jahres-Rhythmus für 2020 geplant, dann in einem europäischen Land.

Die Grafik zeigt (braun-weiß unterlegt) diese Entwicklung einschließlich der gemeinsam(!) erarbeiteten EU-Afrika-Strategie und des gemeinsam(!) erarbeiteten Aktionsplans in der Mitte. Auf der linken Seite sind Aktivitäten und Initiativen der EU, auf der rechten Seiten die der AU bzw. Afrikas dargestellt.

Bitte beachten: Die Abkürzung EPA im europäischen Teil der Grafik steht für "Europäische Partnerschafts-Abkommen" - nicht für Einmann-Packungen der Bundeswehr!


Afrika und Europa - strategische Prioritäten der Kooperation von EU und AU

Partnerschaft im Wandel der Zeiten

Die Grafik zeigt die strategischen Prioritäten der Kooperation in ihren  unterschiedlichen Ausprägungen - von den Anfängen in 2007 über die Roadmap 2014-2017 bis hin zum jüngsten Gipfel 2017 in der Elfenbeinküste.

Die strategischen Prioritäten 2007
Quelle: Zweiter EU-Afrika-Gipfel, Lissabon, 2007 ("Gemeinsame Strategie Afrika-EU")

  1. Frieden und Sicherheit
  2. Demokratische Regierungsführung und Menschenrechte
  3. Handel und regionale Integration
  4. Millenniums-Entwicklungsziele
  5. Energiewirtschaft
  6. Klimawandel
  7. Migration, Mobilität und Beschäftigung
  8. Wissenschaft, Informationsgesellschaft, Raumfahrttechnik

Die strategischen Prioritäten 2014
Quelle: Vierter EU-Afrika-Gipfel, Brüssel, 2014 ("Roadmap 2014-2017")

  1. Frieden und Sicherheit
  2. Demokratie, gute Regierungsführung und Menschenrechte
  3. Menschliche Entwicklung
  4. Entwicklung und Wachstum (nachhaltig und inklusiv) und kontinentale Integration
  5. Globale Themen und neue Fragestellungen

Die strategischen Prioritäten 2017
Quelle: Fünfter AU-EU-Gipfel, Abidjan (Elfenbeinküste), 2017

  1. Mobilisierung von Investitionen für einen strukturellen und nachhaltigen Wandel in Afrika
  2. Investieren in die Menschen durch Bildung, Wissenschaft, Technologie und Entwicklung von Fähigkeiten
  3. Stärkung von Resilienz, Frieden, Sicherheit und guter Regierungsführung
  4. Steuerung von Mobilität und Migration

Afrika und Europa - Kooperation von EU und AU

Strategische Ziele

In dem "Gemeinsamen Aktionsplan" von 2007 wurden die Schwerpunkte der europäisch-afrikanischen Kooperation festgelegt, mit einer Vielzahl von Unterzielen. Die Grafik zeigt die acht strategischen Prioritäten der europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit.


Kommentar

Die rudimentären Kooperationsansätze und strategischen Kooperationsziele (von denen Sie vermutlich bislang kaum etwas gehört haben) machen deutlich, wie schwierig sich die Zusammenarbeit zwischen den sehr unterschiedlichen strukturierten europäischen und afrikanischen Ländern erweisen wird.

Angesichts der Vielzahl an bestehenden Problembereichen ist allerdings fraglich, ob die Ziele in absehbarer Zeit erreicht werden können. Deutlich wird, dass insbesondere die Afrikanische Union ihre Hausaufgaben machen muss. Noch ist es ein weiter Weg zu einem auch nur "an-demokratisierten" Afrika - und dennoch ist die Festschreibung von strategischen Zielen und Prioritäten ein richtiger Schritt nach vorn.

 

19 Februar 2019 Kategorien Afrika

AU-EU-Gipfel 2017

Gipfeltreffen 2017 - Afrikanische Union und Europäische Union

Gipfeltreffen 2017
der Afrikanischen Union (AU) und der Europäischen Union (EU)

Das Treffen fand statt am 29. und 30. November 2017 in Abidjan, Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste), Westafrika. Abidjan ist die größte Küstenstadt und Wirtschaftsmetropole des Landes.

Das afrikanische Gastgeberland Elfenbeinküste wurde 2016 von der AU ausgewählt. Der Gipfel war der dritte auf dem afrikanischen Kontinent und der erste auf dem Boden eines Landes in Subsahara-Afrika.

Die Gipfel finden seit 2000 alle 3 Jahre alternierend in Afrika und Europa statt. Sie sollen eine Plattform bieten für einen Dialog zwischen afrikanischen und europäischen Staaten, mit dem Ziel, die Verbindungen zwischen ihnen zu stärken.

Das Motto des Gipfels 2017 war: "Investieren in die Jugend - für eine nachhaltige Zukunft". Der Gipfel sollte sich deshalb insbesondere auf eine nachhaltige Schaffung und Entwicklung von dauerhaften Arbeitsplätzen für die Jugend konzentrieren.

Weiterführender externer Link


AU-EU-Gipfel 2017 - Pressefoto - Elfenbeinküste

Teilnehmer und Programm

Das offizielle Foto zeigt die 83 Staats- bzw. Regierungschefs von 55 afrikanischen und 28 europäischen Ländern (siehe u.a. die Raute) sowie Vertreter von Partnerländern, internationalen Organisationen (u.a. der UN-Generalsekretär), AU-Kommission, EU-Kommission und regionalen Organisationen. Insgesamt waren rund 5.000 Personen anwesend.

Das offizielle Programm umfasste vier Schwerpunktthemen:

  1. Bessere wirtschaftliche Chancen für junge Menschen
  2. Mobilität und Migration
  3. Frieden und Sicherheit
  4. Zusammenarbeit im Bereich der Staatsführung

Darüber hinaus sollte der Fortschritt der auf dem letzten Gipfel in Brüssel verabschiedeten "Roadmap 2014-2017" diskutiert und die nächsten Schritte umrissen werden, um die 2007 verabschiedete "Gemeinsame Strategie Afrika-EU" zu konkretisieren und ihr zehnjähriges Bestehen zu "feiern".

Überlagert wurden die Themen von der aktuellen Lage der Flüchtlinge in Libyen, wo diese wie Sklaven gehandelt und verkauft würden.


Kommentar

Abgesehen von den vielen schönen Worten zu Gemeinsamkeiten ist festzustellen, dass Afrika nach dem Beitritt Marokkos Anfang 2017 zur AU zumindest formal mit einer Stimme spricht und AU und EU als Organisationen auf Augenhöhe kommunizieren können.

Jetzt aber kommt es: "Fluchtursachen bekämpfen" - eine scheinbar neues Zauberformel. Unsinn! Fluchtursachen hätten wir seit 1970 bekämpfen müssen - und können. Jetzt plant die EU, einen Jugend-Fonds in Höhe von etwa 4 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, in der Hoffnung, damit eine Initialzündung geben zu können für weitere rund 40 Milliarden, die dann folgend von wem auch immer investiert werden sollen.

Rechnen wir das einmal durch:

  • Afrika hat rund 1,3 Milliarden Einwohner.
  • 4 Milliarden Euro EU-Anschubfinanzierung ergeben rund 3 Euro pro Kopf.
  • Etwa 50 Prozent der afrikanischen Einwohner sind Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Macht pro Kopf 6 Euro.
  • Nehmen wir einmal an, dass die EU-Hilfe afrikaweit auf nur rund 10 Prozent konzentriert werden soll. Ergibt rund 60 Euro pro Kopf. Dafür können Sie selbst in den ärmsten der afrikanischen Länder keinen dauerhaften Arbeitsplatz schaffen...

Fluchtursachen bekämpfen? Vergiss es. Angesichts der Vielzahl an bestehenden Problembereichen ist fraglich, ob die hehren Ziele in absehbarer Zeit erreicht werden können. Aus europäischer Sicht muss insbesondere die Afrikanische Union endlich ihre Hausaufgaben machen.

Noch ist es ein weiter Weg zu einem auch nur "an-demokratisierten" Afrika - und dennoch ist die Festschreibung von strategischen Zielen ein richtiger Schritt nach vorn. Die rudimentären Kooperationsansätze und strategischen Kooperationsziele machen deutlich, wie schwierig sich die Zusammenarbeit zwischen den sehr unterschiedlichen strukturierten europäischen und afrikanischen Ländern erweisen wird.

 

19 Februar 2019 Kategorien Afrika

Afrika und Europa im Vergleich

Afrika und EU - Vergleich der Wirtschaftsleistung der Top Ten

Vergleich der Wirtschaftsleistung

Die Grafik vergleicht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Jahr 2017 der Top-8 der EU (blau) mit denen der Afrikanischen Union (AU) in gelb, gemessen in US-Dollar. Das BIP jedes der führenden EU-Mitgliedstaaten liegt deutlich über dem des führenden afrikanischen Staates Nigeria. Die vier wirtschaftlich stärksten afrikanischen Staaten, nämlich Nigeria, Südafrika, Ägypten und Algerien, kommen zusammen auf ein BIP von rund 1.100 Milliarden US-Dollar und liegen damit deutlich unter der Wirtschaftskraft Spaniens (rund 1.300 Milliarden).

Das BIP der EU insgesamt betrug 2017 rund 17.500 Milliarden US-Dollar, das BIP der AU lag bei insgesamt 2.250 Milliarden US-Dollar und damit etwa auf Höhe der Wirtschaftskraft Frankreichs.

Weiterführende externe Links

  • Eurostat
    (Webpräsenz des Statistischen Amts der Europäischen Union - in Englisch, Deutsch ist anwählbar)
  • Department of Economic Affairs
    (Webpräsenz der Abteilung für wirtschaftliche Angelegenheiten der Afrikanischen Union - in Englisch)

Afrika und EU - BIP pro Kopf im Vergleich der Top Ten

Vergleich des BNE pro Kopf

Die Grafik vergleicht die Top-8 der EU (blau) mit denen der AU (gelb) im Jahr 2017, gemessen nach ihrem Bruttonationaleinkommen (BNE) pro Kopf. Das durchschnittliche BNE pro Kopf der EU liegt bei knapp 30.000 US-Dollar (mit Luxemburg als Ausreißer mit über 70.000 US-Dollar), das der AU liegt bei 1.850 US-Dollar. In Afrika führen eher weniger bekannte Länder die Rangfolge an, allerdings mit deutlichem Abstand zu den Staaten der EU. Nur zwei afrikanische Länder, nämlich die Seychellen und Mauritius, haben ein höheres BNE pro Kopf als Bulgarien, welches mit etwas über 7.700 US-Dollar den niedrigsten Wert unter den EU-Staaten aufweist.

In der EU insgesamt lag das durchschnittliche BNE pro Kopf 2017 bei 29.570 US-Dollar, in der AU bei rund 1.840 US-Dollar.

Erläuterung: Das Bruttonationaleinkommen (BNE), bis 1999 als Bruttosozialprodukt (BSP) bezeichnet, misst die gesamte Wertschöpfung von Inländern aus inländischen und ausländischen Quellen. Das BNE pro Kopf bezeichnet das BNE geteilt durch die Bevölkerungszahl zur Jahresmitte.

Weiterführende externe Links


Kommentar

(1) Warum wurde und wird teilweise "Afrika" mit der EU verglichen - und nicht die Afrikanische Union (AU)?

Das Problem liegt in dem ursprünglichen Konstrukt der AU mit ihren damals 54 Mitgliedern. Marokko war wegen der Aufnahme der von ihm weitgehend besetzten Westsahara (Eigenbezeichnung: Demokratische Arabische Republik Sahara - DARS) als Vollmitglied in die OAU/AU der Organisation nicht beigetreten. Ein Vergleich der AU mit anderen Organisationen ohne Einbeziehung des für Afrika wirtschafts- und bevölkerungspolitisch nicht unbedeutenden Staates Marokko hätte aber wenig Sinn gemacht. Man wählte deshalb - mal wieder politisch korrekt - den Kontinent "Afrika" als Vergleichsparameter. Nachdem im Januar 2017 Marokko wieder als Vollmitglied der AU beigetreten ist, empfiehlt sich ab diesem Zeitpunkt der Vergleich AU mit der EU.

(2) Bitte beachten Sie bei allen Vergleichen von afrikanischen mit europäischen Staaten die jeweiligen Einwohnerzahlen. Ein Beispiel für das Jahr 2017: Das BIP Nigerias liegt mit knapp 380 Milliarden US-Dollar in etwa auf der Höhe des BIP von Österreich mit rund 420 Milliarden Euro - Nigeria hat aber mit seinen über 190 Millionen Einwohnern mehr als zwanzigmal so viele Einwohner wie Österreich mit seinen knapp 9 Millionen!

 

19 Februar 2019 Kategorien Afrika