Die Vermögensentwicklung in Deutschland

SPOTLIGHT: Das Gesamtvermögen (umgangssprachlich Brutto-Vermögen) der privaten Haushalte erhöhte sich 2016 auf rund 13.390 Milliarden Euro (bei Einrechnung des Gebrauchsvermögens rund 14.400 Mrd. Euro). Datenquelle: Destatis /  Bundesbank


Privatvermögen - die Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren

Entwicklung des Privatvermögens

Das Vermögen hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Während sich beim Gebrauchsvermögen nur relativ geringe Erhöhungen ergaben, stiegen Geld- und Sachwerte sichtbar an. Deutlich wird auch die Tendenz steigender Geldvermögensanteile bei - spiegelbildlich - leicht rückläufigen Anteilen des Sachvermögens in Form von Wohnbauten.

Die Grafik zeigt die Entwicklung des Privatvermögens in den vergangenen zwanzig Jahren wie folgt von unten nach oben

  • Geldvermögen (grün)
  • Grund und Boden (braun)
  • Anlagevermögen (orange)
  • Gebrauchsvermögen (blau)

Anmerkungen

  1. Das Geldvermögen ist in Bruttowerten, Grund und Boden ist in Ist-Werten und alle anderen Vermögensanteile sind in Nettowerten angegeben.
  2. Die relativ auffällige Steigerung im Bereich Grund und Boden (braun) im Jahr 2014 ist auf einen aktualisierten Kriterienkatalog und die Einrechnung neuer Werte (ca. 300 Milliarden) zurückzuführen und ein einmaliger Effekt.
  3. Die in der Grafik der Fläche Anlagevermögen (orange) zugeordneten Werte sind in erster Linie Immobilien sowie "sonstige Anlagegüter". Letztere umfassen Nutztiere und Nutzpflanzungen, Ausrüstungen, Nichtwohnbauten und sogenannte immaterielle Anlagegüter; ihr Anteil am Flächenwert belief sich 2015 auf insgesamt etwa 13 Prozent.

Privatvermögen - Vermögensentwicklung nach individuellen Anteilen laut SOEP

Vermögensentwicklung laut SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat bisher in drei Schwerpunktbefragungen (2002, 2007 und 2012) Daten zur Vermögenssituation erhoben. Im Gegensatz zu anderen Studien werden nicht die Anteile der Haushalte, sondern die individuellen Anteile von Personen (älter als 16 Jahre) in privaten Haushalten ausgewiesen. Das Ergebnis ist praktisch identisch.

Die Grafik zeigt die Anteile der Vermögenswerte in Prozent nach Zehnteln für die Jahre 2002 (grün), 2007 (gelb) und 2012 (rot). Beachtenswert ist die leichte vorübergehende Verringerung des prozentualen Anteils des oberen Zehntels von 2007 auf 2012, die vermutlich in erster Linie auf Verluste angesichts der globalen Finanzkrise zurückzuführen ist, da dieses Zehntel über ein besonders großes Geldvermögen verfügt.


Kommentar

Das Privatvermögen in Deutschland betrug 2015 netto mehr als 11.000 Milliarden Euro. Das Vermögen der privaten Haushalte war damit größer als das Bruttoinlandsprodukt jedes Staates der Welt (mit Ausnahme der USA), das diese im gleichen Jahr erwirtschafteten! Schon 2003 stellte die damalige Bunderegierung in ihrem 2. Armuts- und Reichtumsbericht fest: Deutschland ist ein reiches Land.

Allerdings: Wie immer man auch die Haushalte bzw. die Bevölkerung unterteilt und welche Datenquellen auch immer man heranzieht, die sehr ungleichmäßige Verteilung des Privatvermögens ist evident. Dieser Binsenerkenntnis konnte sich auch die Bundesregierung nicht verschließen und stellte - allerdings erst auf Seite 343(!) des 4. Armutsberichts 2013 - im Zusammenhang mit der Aufschlüsselung des Vermögens nach Durchschnittswerten pro Haushalt fest: Hinter diesen Durchschnittswerten steht eine sehr ungleiche Verteilung der Privatvermögen.

Und die Schere zwischen Millionen von Haushalten am untersten und Millionen von Haushalten am obersten Ende wird sich - nach allen bisherigen Erfahrungen und erkennbaren Trends - weiter öffnen. Es ist Aufgabe der Politik, hier umgehend und einschneidend gegenzusteuern, soll es nicht zu ernsten politischen Verwerfungen in der Gesellschaft kommen.

Diese interne Webseite vertieft die Problematik der Vermögensverteilung
•  Gibt es eine "gerechte" Vermögensverteilung?

Weiterführende externe Links

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
    (dort u.a. die verschiedenen "Armuts- und Reichtumsberichte" der Bundesregierung)
  • SOEP
    (Sozio-ökonomisches Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit vielen und zum Teil sehr komplexen Datenreports und weiterführenden Links. Siehe zur Vermögensverteilung u.a. der DIW-Wochenbericht 9/2014)