Zinslast des Bundes

SPOTLIGHT: Infolge der weiter anhaltenden Niedrigzinsphase verbunden mit fast durchgehend negativen Kreditzinsen sank der Saldo aus Zinseinnahmen und Zinsausgaben des Bundes (Haushalt und Sondervermögen ohne Darlehensfinanzierung) auf 6,5 Milliarden Euro in 2020 und - nach vorläufigen Berechnungen - auf etwa 3,9 Milliarden Euro in 2021.


Die Zinslast des Bundes - Entwicklung und Prognose

 

Die Zinsausgaben des Bundes

Die Grafik zeigt die Entwicklung der jährlichen Zinsausgaben des Bundes, die mit rund 90 Prozent den wesentlichen Teil der sogenannten Bundesschuld ausmachen (der Rest sind Bürgschaften, Garantien und sonstige Gewährleistungen). Die Istausgaben sind durch rote Säulen, die Sollausgaben sind durch gelbe Säulen dargestellt. Zwei Prognosen aus den früheren Jahren 2008 und 2020 werden durch die beiden eingezeichneten Linien dargestellt und verdeutlichen die unvorhergesehen glückliche Entwicklung der Zinsausgaben.

Infolge der weiter anhaltenden Niedrigzinsphase verbunden mit fast durchgehend negativen Kreditzinsen sank der Saldo aus Zinseinnahmen und
Zinsausgaben des Bundes (Haushalt und Sondervermögen ohne Darlehensfinanzierung) auf nunmehr 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 und nach vorläufigen Berechnungen auf etwa 3,9 Milliarden Euro in 2021.

Zum Vergleich: Der Bund und seine Sondervermögen waren im Jahr 1999 mit den höchsten je beim Bund beobachteten Zinsausgaben in Höhe von rund 43,2 Milliarden Euro konfrontiert, bei einem gleichzeitig deutlich geringeren Schuldenstand im Vergleich zum Jahresende 2021. Die Zinsausgaben dürften in 2021 unter 1 Prozent der Gesamtausgaben des Bundes liegen (im Jahr 2008, dem Jahr des Ausbruchs der Finanzkrise, lag dieser Anteil noch bei 14,2 % der Gesamtausgaben). Weitere Details zu den Zinsausgaben des Bundes siehe Anmerkungen weiter unten.

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Stichwort "Zinsausgaben" (Bundesschuld)

Die Zinslast versteckt sich im Bundeshaushalt hinter der sogenannten "Bundesschuld". Dahinter verbergen sich Zinsen, keine Tilgungen (!) - also Geld, das durch den Schornstein raucht, ohne dass damit auch nur ein einziger Euro des Schuldenberges abgebaut würde. Natürlich werden regelmäßig Altschulden getilgt, jedoch ergibt sich per Saldo aufgrund der jährlichen Neuverschuldung ein langfristig steter Anstieg der Zinsausgaben.

Bis einschließlich 2008 stiegen die Zinsausgaben moderat, aber stetig. Seit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 profitiert der Bund von niedrigeren Zinssätzen. Der Bund kann dadurch verstärkt "Umschulden", d.h. Kredite mit höheren Zinssätzen durch solche mit niedrigeren Zinssätzen ablösen. Die Zinsausgaben konnten so deutlich gesenkt werden. Da derzeit noch immer extrem günstige Anschlussfinanzierungen für Bundesschulden möglich sind, liegen die Zinsausgabenansätze trotz eines unterstellten langfristig wieder ansteigenden Zinsniveaus weiterhin auf einem im langjährigen Vergleich niedrigen Niveau.

Wer Schulden macht, muss Zinsen zahlen. Die Bundesrepublik Deutschland und ihre Gebietskörperschaften müssen trotz anhaltendem Niedrigzinsniveau jedes Jahr viele Milliarden Euro Steuergeld für Zinsverpflichtungen aufwenden. Dieses Geld fehlt dem Staat, um seine eigentlichen Aufgaben zu erfüllen. Zwar profitiert Deutschland aktuell von den niedrigen Zinsen, die von den Gläubigern für deutsche Staatsanleihen verlangt werden, weil die Zinslasten historisch betrachtet niedrig sind, doch ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Zinspendel wieder in Richtung höherer Zinsen ausschlägt. Erhöhen sich die Zinsen mittelfristig um nur einen Prozentpunkt, steigen die Zinskosten allein des Bundes um bis zu 14 Milliarden Euro pro Jahr.

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