NATO – Entwicklung der Mitgliedschaft

SPOTLIGHT: Die Anträge von Finnland und Schweden auf NATO-Mitgliedschaft wurden am 18. Mai 2022 eingereicht. Die notwendigen Formalien könnten innerhalb weniger Wochen, die Ratifizierung der Beitrittsprotokolle in den 30 aktuellen NATO-Hauptstädten in einem beschleunigten Verfahren bis zum Herbst abgeschlossen sein, da Finnland und Schweden bereits enge Partner der NATO sind. Hinweis: Wir werden auf dieser Webseite in den nächsten Monaten über den Stand der Entwicklung informieren.


NATO - Mitgliedstaaten, Kandidaten und Bewerberländer - inklusive mögliche Norderweiterung

Die Norderweiterung 2022
Voraussichtlicher Ablauf

  • Am 18. Mai 2022 Eingang der formalen schriftlichen Beitrittsgesuche von Finnland und Schweden im NATO-Hauptquartier in Brüssel
  • Danach Beitrittskonferenzen in Brüssel auf Botschafterebene (jeweils 1 Tag mit jedem der beiden Beitrittskandidaten) mit Gesprächen unter anderem über die aus dem NATO-Vertrag erwachsenden Verpflichtungen und die Integration in die politischen und militärischen Strukturen der NATO
    Aufgrund der derzeitigen Blockadehaltung der Türkei sind die geplanten Gespräche auf unbestimmte Zeit ausgesetzt
  • Nach 1-2 Wochen Vorlage der Ergebnisberichte und der Entwürfe für das jeweilige Beitrittsprotokoll
    Annahme der Beitrittsprotokolle auf Botschafterebene durch die NATO-Botschafter, sofern autorisiert - oder auf einem Ministertreffen oder spätestens auf dem NATO-Gipfeltreffen in Madrid Ende Juni 2022
  • Beginn des Ratifizierungsprozesses in den Hauptstädten der aktuellen 30 NATO-Mitgliedstaaten durch Staats - und/oder Regierungschefs, Regierungen, Parlamente etc. - je nach Verfassung und in möglichst beschleunigten Verfahren
  • Nach Ratifizierung durch alle (!) NATO-Mitgliedstaaten formale Aufnahme von Finnland und Schweden als NATO-Mitglieder und Hinterlegung der Beitrittsurkunden in Washington D.C. gemäß NATO-Vertrag

•  NATO-Sondergipfel zur Verleihung eines Verdienstordens an den russischen Präsidenten Putin anlässlich seiner besonderen Verdienste um die Förderung der sicherheitspolitischen Bedeutung und Anziehungskraft der Allianz


NATO - Entwicklung der Mitgliedschaft von 1949 bis heute

 

Entwicklung der Mitgliedschaft
Die Grafik gibt einen Überblick über die Entwicklung der Mitgliedschaft der Allianz, beginnend mit den 12 Gründungsstaaten am 4. April 1949.Seit dem 27. März 2020 hat die NATO 30 Mitgliedstaaten. Das Bündnis hat Nordmazedonien offiziell als 30. Mitglied aufgenommen, nachdem das Land vertragsgemäß seine Beitrittsurkunde zum Nordatlantikvertrag beim US-Außenministerium in Washington hinterlegt hat.

Anmerkungen: (1) Island hat keine eigenen Streitkräfte. (2) Frankreich verließ 1966 die militärische Struktur der Allianz, entwickelte eigene Atomwaffen und eine eigene Strategie. Das Land blieb aber nach wie vor Mitglied in der politischen Struktur der Allianz. Am 18. März 2009 stimmte die französische Nationalversammlung der Rückkehr Frankreichs - nach 43-jähriger Abwesenheit - in die integrierte Militärstruktur der NATO zu.

Eine tabellarische Übersicht über die Entwicklung der NATO-Mitgliedschaft finden Sie am Seitenende.

Weiterführender externer Link

  • NATO
    (Offizielle Webpräsenz der Allianz - in Englisch)

NATO - Chronik der Erweiterungen (Kartengrafik)

 

Chronik der NATO-Erweiterungen

Die Grafik zeigt in fünf Karten die Mitglieder der Allianz von 1949 bis heute wie folgt:

  • die Gründung der NATO und die zwölf Gründungsmitglieder 1949
  • die drei Westerweiterungen um vier Staaten von 1952 bis 1982
  • die erste Osterweiterung um drei Staaten 1999
  • die zweite Osterweiterung um sieben Staaten 2004
  • die Westbalkan-Erweiterung um zwei Staaten 2009, einen Staat in 2017 und einen Staat in 2020.

Die eingefügte Legende erläutert die Besonderheiten der Entwicklung.


Kommentar

Die NATO hat in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts schrittweise den Wandel vom einem eher auf Verteidigungsfragen konzentrierten Bündnis hin zu einer Organisation zur Krisenbewältigung und Stabilitätsförderung vollzogen.

Die Aufnahme der neuen Mitglieder war lange Zeit umstritten. Insbesondere im Fall der drei baltischen Staaten war zunächst der Widerstand Russlands zu überwinden, obwohl die vormalige Führungsmacht des Ostblocks inzwischen durch die NATO-Russland-Grundakte (1997) und den erneuerten und vertieften NATO-Russland-Rat (2002) eng mit der NATO verbunden wurde (einige Beobachter sprachen sogar schon von einer "de facto" - Mitgliedschaft).

Das Horror-Szenario eines bewaffneten Konflikts mit Russland im Falle einer Aufnahme der drei baltischen Staaten in die NATO hat sich als das herausgestellt was es war: unbegründet. Allerdings hat die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 und der bewaffnete Konflikt in der Ost-Ukraine entsprechenden Ängsten insbesondere in den baltischen Staaten und in Polen wieder Nahrung gegeben.

Von Medien und der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen hat die NATO 2003 entscheidende strukturelle und konzeptionelle Weichenstellungen vollzogen: Im Frühsommer 2003 wurde die militärische Kommandostruktur grundlegend verändert und zugleich verschlankt; im Herbst wurden die ersten Teile der NATO Response Force (NRF), einer schnellen und global einsetzbaren Eingreiftruppe - in Dienst gestellt.

Die Erweiterung der NATO um 7 Staaten im Frühjahr 2004 anlässlich des 55. Jahrestages der Allianz muss im Zusammenhang gesehen werden mit der Aufnahme von 10 neuen Staaten in die Europäische Union (EU). Allmählich wächst zusammen, was zusammen gehört - und die noch verbleibenden "weißen Flecken" auf der Landkarte Europas (vornehmlich neutrale Staaten und Staaten des Westbalkans) werden sich langfristig ebenfalls integrieren (müssen).


Tabelle
Entwicklung der NATO-Mitgliedschaft

1949
(Gründungsmitglieder)
(NATO-12)

Belgien
Dänemark
Frankreich
Großbritannien
Island
Italien
Kanada
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
USA
1952
(NATO-14)
Griechenland
Türkei
1955
(NATO-15)
Bundesrepublik Deutschland
1982
(NATO-16)
Spanien
1999
(NATO-19)
Polen
Tschechien
Ungarn
2004
(NATO-26)
Bulgarien
Estland
Lettland
Litauen
Rumänien
Slowakei
Slowenien
2009
(NATO-28)
Albanien
Kroatien
2017
(NATO-29)
Montenegro
2020
(NATO-30)
Nordmazedonien

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02 Juni 2022 Kategorien NATO