Die OPEC auf einen Blick

SPOTLIGHT: Ecuador hat seine Mitgliedschaft in der OPEC mit Wirkung zum 1. Januar 2020 widerrufen. Das Land hatte seine Mitgliedschaft im Dezember 1992 ausgesetzt, war aber im Oktober 2007 der OPEC wieder beigetreten. Nachdem auch Katar die OPEC am 01. Januar 2019 verlassen hatte, umfasst die OPEC derzeit 13 Mitglieder (Stand Februar 2021).

 OPEC - Logo
Organization of the Petroleum Exporting Countries (OPEC)
Organisation der erdölexportierenden Länder

OPEC - Mitglieder

Hintergrund

Die OPEC ist eine internationale Organisation, die im September 1960 in Bagdad (Irak) durch die fünf Förder- und Exportstaaten Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gegründet wurde. Sitz der OPEC ist seit 1965 Wien (vorher Genf).

Ziele

Koordinierung der Erdölpolitiken in den Förderstaaten; Stabilisierung der Weltmarktpreise u.a. durch Regulierung der Fördermengen und "faire Erträge" für Investoren in der Erdölindustrie. Solidarität soll ausgeübt werden bei Sanktionen der Abnehmerstaaten, denen ein oder mehrere Mitgliedstaaten bei Befolgung von OPEC-Beschlüssen durch internationale Ölkonzerne ausgesetzt sind.

Mitglieder (13)

  • 5 vorderasiatische Staaten: Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
  • 7 afrikanische Staaten: Algerien und Libyen in Nordafrika und Angola, Äquatorialguinea, Gabun, Nigeria und die Republik Kongo (seit 22. Juni 2018) in West- und Zentralafrika
  • 1 südamerikanischer Staat: Venezuela

Indonesien war von 1962-2009 Mitglied, reaktivierte seine Mitgliedschaft im Januar 2016 und verließ die OPEC wieder im Dezember 2016. Eine tabellarische Übersicht der OPEC-Mitgliedstaaten mit Erläuterungen finden Sie weiter unten.

Weiterführender externer Link


OPEC - Fördermengen im Vergleich

 

Die Ölfördermengen der OPEC-Staaten 2019

Die Grafik vergleicht die Ölfördermengen 2019 der OPEC-Länder in Tausend Fass pro Tag (barrel per day = b/d). Die Säulen der aktuellen 13 Mitglieder sind wie folgt farblich gekennzeichnet: Naher/Mittlerer Osten in blau, Westafrika in braun, Nordafrika in gelb und Südamerika in grün. Weitaus stärkstes Förderland ist Saudi-Arabien (linke Säule, abgeschnitten).

Die beiden Kreisdiagramme zeigen den global gesehen relativ geringen OPEC-Anteil in Höhe von rund 39 % der globalen Ölförderung und knapp 50 % des globalen Ölexports - beide Zahlen mit weiterhin sinkender Tendenz. Bemerkenswert ist die zunehmende Bedeutung des afrikanischen Kontinents.

Siehe hierzu auch den folgenden Abschnitt im Bereich der Schwerpunktthemen unserer Website
•  Energiepolitik


 

Die Außenhandelsströme des OPEC-Öls 2019

Die Grafik zeigt das Exportvolumen im Jahr 2019 der drei OPEC-Regionen Naher Osten, Afrika und Südamerika. Die drei wichtigsten Empfängerregionen Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik sind gelb markiert (nicht die jeweiligen Einzelstaaten!). Die Balkenstärke gibt in etwa die Größe der Exportmengen wieder, gemessen in Tausend Fass pro Tag (barrel per day - b/d).

Der Nahe Osten erbringt rund 80 Prozent des gesamten OPEC-Handelsvolumens. Auffallend ist, dass im Jahr 2019 die Masse des Nahostexports - aber auch zunehmend des afrikanischen Exports - in den asiatisch-pazifischen Raum geht. Selbst die geringer werdenden Anteile Südamerikas (sprich Venezuelas) am OPEC-Handel gehen in erster Linie nach Fernost.


OPEC - Export im Jahr 2006

 

Die Außenhandelsströme 2006 zum Vergleich

Die Grafik zeigt das Exportvolumen in 2006 der damals dreizehn OPEC-Staaten zum Vergleich, wobei der Nahe Osten nur als Region gewertet wird. Die Balkenstärke gibt auch hier in etwa die Größe der Exportmengen wieder, für den Export nach Asien allerdings in abgeschwächter Form.

Auffallend ist die Dominanz des Nahen Ostens und die bereits erkennbare Konkurrenz zwischen Nordamerika und Europa einerseits sowie zwischen diesen beiden Regionen und dem asiatisch-pazifischen Raum andererseits.

Bitte beachten: Die Gesamtmenge der OPEC-Exporte betrug nur etwa 55% des globalen Ölexports. Unter Einschluss Russlands und anderer Exportstaaten ergäbe sich ein anderes Bild.

Hinweis: Die Daten dieser Webseite beruhen auf den Angaben der OPEC (Annual Statistical Bulletin 2020).


Tabelle
Mitglieder der OPEC (13)
mit ihrem Beitrittsjahr und Erläuterungen zu den Mitgliedsjahren bzw. Wiedereintrittsjahren.

Die OPEC unterscheidet zwischen Gründermitgliedern (5) und Vollmitgliedern, also Ländern, deren Aufnahmeantrag von der Konferenz mit Drei-Viertel-Mehrheit akzeptiert wurde. Die Satzung ermöglicht auch eine Assoziierte Mitgliedschaft.

Algerien (1969)
Angola (2007)
Äquatorialguinea (2017)
Gabun (1975) - Mitgliedschaft wurde im Januar 1995 beendet. Wiedereintritt erfolgte im Juli 2016.
Irak (1960)
Iran (1960)
Kuwait (1960)
Libyen (1962)
Nigeria (1971)
Republik Kongo (2018)
Saudi-Arabien (1960)
Venezuela (1960)
Vereinigte Arabische Emirate (VAE) (1967)

Anmerkung:
- Indonesien war von 1962 bis 2009 Mitglied. Die Mitgliedschaft wurde im Januar 2016 reaktiviert und im Dezember 2016 wieder deaktiviert.
- Katar war seit 1961 Mitglied. Es beendete seine Mitgliedschaft am 01. Januar 2019.
- Ecuador war seit 1973 Mitglied. Die Mitgliedschaft ruhte ab Dezember 1992 und wurde im Oktober 2007 wieder reaktiviert. Ecuador beendete seine Mitgliedschaft am 01. Januar 2020.


Kommentar

Die Rolle der OPEC im Kräftespiel der Weltwirtschaft und des Welthandels hat sich seit ihrer ersten effektvollen Kraftprobe 1973, als der Ölpreis im Zusammenhang mit dem Yom-Kippur-Krieg (Israel vs. Ägypten und Syrien) und dem arabischen Ölboykott (OAPEC) erheblich anstieg, gegenüber den westlichen Industriestaaten durch folgende Faktoren gewandelt.

Auf der einen Seite:

Die Energieabhängigkeit der Verbraucherstaaten vom Erdöl ist heute anteilsmäßig wesentlich geringer (!) als in den 70er Jahren.
Die Verbraucherstaaten haben ihre Abnahmestrategien diversifiziert und beziehen zunehmend auch Erdöl aus Förderstaaten, die nicht Mitglied der OPEC sind.
Einige Verbraucherstaaten haben zwischenzeitlich beachtliche eigene Rohölvorkommen erschlossen (z.B. Großbritannien, Norwegen, Russland und die USA).
Die OPEC-Mitglieder selbst halten sich oft nicht an ihre eigenen Preis- und Förderabsprachen, mit denen die auf den Weltmarkt gebrachten Rohölmengen künstlich verknappt und damit für die Verbraucher teurer gehalten werden sollen.

Auf der anderen Seite:

Der enorme Energiehunger der sogenannten Schwellenländer (China, Indien, Brasilien u.a.) verstärkt den globalen Wettbewerb um Energieressourcen und stärkt damit auch die Position der OPEC.

Die Anfang 2021 13 Länder umfassende Organisation hat sich, mit unterschiedlicher Effizienz, zu einem formidablen wirtschaftlichen globalen Akteur entwickelt, der allerdings nur noch etwa 50 % der weltweiten Erdölexportmenge anbietet - mit weiterhin sinkender Tendenz.

Trotz der o.a. Schwächen vermag es die OPEC immer wieder, so zum Beispiel 1999/2000, durch eine starke Drosselung der Ölproduktion einen Anstieg des Ölpreises, der angesichts einer Überproduktion gewisser OPEC-Staaten immer wieder einmal fällt, zu erzielen. Oft machen auch kartellungebundene Produzenten wie Mexiko, Norwegen, Russland oder Oman ebenfalls Zusagen über Förderreduzierungen, so zum Beispiel im November/Dezember 2020.

Das Erdöl-Kartell ist ein "Musterbeispiel" internationaler Solidarität: Zum einen scheuen sich europäische Förderstaaten wie Großbritannien und Norwegen nicht, von den OPEC-Preiserhöhungen zu profitieren, indem sie ihre Ölpreise angleichen. Zum anderen trifft jede Preiserhöhung nicht nur die finanziell relativ starken Industrieländer, sondern insbesondere jene Entwicklungsländer, die über keine alternativen Energien und keine finanziellen Reserven verfügen, unverhältnismäßig hart.

Doch der Markt vermag auch hier einiges regeln: So würde ein Rückgang der Einnahmen aus dem Erdölexport etliche der sehr wohlhabenden OPEC-Mitglieder zu umfangreichen Sparmaßnahmen zwingen und könnte damit soziale Verwerfungen zur Folge haben; hingegen würde eine Steigerung des globalen Ölhungers und damit der Exporteinnahmen insbesondere den arabischen OPEC-Ländern erlauben, umfangreiche Kapitalinvestitionen auf dem Weltmarkt, insbesondere in den westlichen Industrieländern, vorzunehmen.

Im September 2000 hatte die OPEC auf ihrem ersten Gipfeltreffen seit 1975 anlässlich des 40. Gründungsjahrestages die Industriestaaten zu einer Senkung der Benzin- und Dieselsteuern aufgerufen, da diese den größten Teil des Endpreises der Kraftstoffe ausmachten. Unsere Meinung: "Wo se recht ham, ham se recht..." - auch im Jahr 2021!