G20 – Strukturen und Entwicklung

Aktuell: Am 30. November und 1. Dezember 2018 findet der diesjährige G20-Gipfel in Buenos Aires (Argentinien) statt. Zum ersten Mal seit Gründung der G20 wird damit ein Gipfeltreffen in Südamerika ausgerichtet. Die Erwartungen sind hoch, die Probleme allerdings auch. Strafzölle, ein steigender Protektionismus, die Reform der WTO und - als wäre das noch nicht genug - der aktuelle Konflikt zwischen der Ukraine und Russland im Asowschen Meer. Gelingt in Buenos Aires trotz scharfer Konfliktlinien eine Form der Verständigung? Oder wird das Staatenbündnis - wie jüngst das APEC-Forum - nachhaltig geschwächt?


Warum ist die G20 entstanden?

Das Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankchefs wurde 1999 erstmals auf das Format der G20 erweitert. Anlass dafür waren die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten während der Asienkrise. Angesichts der globalen Finanzkrise 2008 wurden die Treffen der G20 dann auf Ebene der Staats- und Regierungschefs gehoben.

Regelmäßige Treffen finden auch auf Ministerebene statt. Teilnehmer bei Finanzfragen sind in der Regel Finanzminister und Notenbankchefs (-gouverneure) der Mitgliedstaaten, Vertreter der EU (Ratspräsidentschaft und Europäische Zentralbank) sowie führende Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe.

Auf dem ersten sogenannten "Weltfinanzgipfel" in Washington berieten am 15. November 2008 die wichtigsten Wirtschaftsstaaten und Schwellenländer über Auswege aus der damaligen weltweiten Finanzkrise. Ziel soll sein, künftig "alle Finanzmärkte, Finanzprodukte und Finanzmarktteilnehmer" stärker zu überwachen. Die Finanzminister der G20 sollen konkrete Regelungen für eine Reihe von Feldern erarbeiten. Beschlüsse werden im Konsensverfahren gefasst; jedes G20-Mitglied hat eine Stimme.

Die Zusammensetzung der G20 hat sich seit ihrer Gründung nicht entscheidend verändert. Sie erfolgt nach der Bedeutung der Mitglieder für das internationale Finanzsystem, jedoch spielten die globale geopolitische Balance (siehe Südafrika) sowie die Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl der Staaten/der EU ebenfalls eine Rolle.


Wie funktioniert die G20?

Die G20 ist keine internationale Organisation, sondern ein sogenanntes informelles Gremium. Das heißt: Die G20 fasst keine Beschlüsse, die eine direkte rechtliche Wirkung haben. Die G20 besetzt weder einen Verwaltungsrat mit ständigem Sekretariat noch eine ständige Vertretung ihrer Mitglieder. Deshalb spielt die jährlich wechselnde Präsidentschaft eine besonders wichtige Rolle.

Jedes Jahr am 1. Dezember übernimmt ein anderes Mitglied die Präsidentschaft. Die Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs finden jährlich statt. Zu jedem Gipfel werden Gipfelerklärungen (Kommuniqués) mit den wichtigsten Ergebnissen herausgegeben; hinzu kommen begleitende Berichte und Aktionspläne.

Gipfeltreffen

  • 2016. Der G20-Gipfel fand am 4./5. September 2016 in Hangzhou (VR China) statt. Hierzu eine kleine Denksportaufgabe am Ende dieser Webseite.
  • 2017. Der G20-Gipfel fand am 7./8. Juli 2017 in Hamburg (Deutschland) statt. Am 1. Dezember 2016 hatte Deutschland für ein Jahr die G20-Präsidentschaft übernommen. Details und viele bleibende weiterführende Links haben wir auf einer eigenen internen Webseite zusammengefasst
    >> Der G20-Gipfel in Hamburg 2017
  • 2018. Der G20-Gipfel findet/fand am 30.11./01.12.2018 in Buenos Aires (Argentinien) statt (siehe oben).

Die nächsten Gipfel werden 2019 von Japan und 2020 von Saudi-Arabien ausgerichtet.


G20-Gipfel 2016
eine kleine Denksportaufgabe zur Entspannung

Versuchen Sie einmal, das chinesische Logo des G20-Gipfels 2016 in Hangzhou (China) in seinem Aufbau und seiner Aussage zu interpretieren. Die Auflösung aus chinesischer Sicht finden Sie weiter unten.

G20 - Logo 2016 der chinesischen Präsidentschaft(zum Vergrößern bitte anklicken)

Nachfolgend die offizielle(!) chinesische Interpretation des Logos 2016 - in unserer eigenen Übersetzung - lesenswert!:

"Das Logo für den 2016er Gipfel besteht aus

(1) einer stilisierten Brücke, die aus 20 geschichteten Linien besteht und die zwanzig Mitglieder der Gruppe symbolisiert,

(2) dem Schriftzug "G20 2016 CHINA" und

(3) einem Siegel in traditionellen chinesischen Schriftzeichen für "China".

Die Brücke unterstreicht, dass die G20 eine Brücke für globales wirtschaftliches Wachstum, internationale Zusammenarbeit und eine win-win-Zukunft ist.

Die Linien erinnern an Glasfaser-Kabel, die für eine miteinander verbundene Welt im Informationszeitalter stehen.

Das im Schriftzug "G20" hervorgehobene "0" verkörpert Einheit und Koordination der G20-Mitglieder.

Das Siegel repräsentiert die traditionelle chinesische Kultur und entspricht dem englischen Wort für China."

Wäre Ihre Interpretation nahe an der chinesischen gewesen? Wenn nein, können Sie vielleicht erahnen, was in Gesprächen und Verhandlungen mit chinesischen Partnern an chinesischer Denkweise zu berücksichtigen ist...