Bruttoinlandsprodukt Deutschland – Quartalsergebnisse

SPOTLIGHT: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im 2. Quartal 2022 gegenüber dem 1. Quartal 2022 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,1 % nur leicht gestiegen. Die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit  anhaltender Corona-Pandemie, gestörten Lieferketten, steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine schlagen sich deutlich in der konjunkturellen Entwicklung nieder.


Bruttoinlandsprodukt (BIP) im aktuellen Quartalsvergleich

Aktueller Quartalsvergleich 2022

Die Grafik zeigt die prozentuale Veränderung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal (gelbe und rote Säulen) und gegenüber dem Vorquartal (blaue Zahlen und Linien). Das BIP ist im 2. Quartal 2022 gegenüber dem 1. Quartal 2022 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,1 % gestiegen und hat damit das Vorkrisenniveau des 4. Quartals 2019 erreicht. Im 1. Quartal 2022 war die deutsche Wirtschaft um 0,8 % gewachsen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) fiel die Entwicklung etwas positiver aus als erwartet. Trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe sich die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen 2022 behauptet. Im Vorjahresvergleich war das BIP im 2. Quartal 2022 preisbereinigt 1,8 % höher als im 2. Quartal 2021, in dem die deutsche Wirtschaft von den Auswirkungen der dritten Welle der Corona-Pandemie deutlich betroffen war. Aufgrund der anhaltenden Corona-Krise und des Kriegs in der Ukraine sind diese Ergebnisse mit größeren Unsicherheiten als sonst üblich behaftet.

Weiterführender externer Link


Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Quartalsvergleich im Krisenjahr 2009
Krisenjahr 2009

Zum Vergleich
Das Krisenjahr 2009
(alter Text aus 2012)
Die Grafik zeigt die prozentuale Veränderung des preisbereinigten BIP für die Jahre 2007 bis 2011, aufgeschlüsselt nach Quartalen. Die Säulen (dunkelgelb und rot) zeigen die Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal, und die blauen Linien und Kreise die Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorquartal.

Deutlich wird der beginnende Einbruch im vierten Quartal 2008, der im zweiten Quartal 2009 mit minus 7,9 Prozent seinen Tiefpunkt erreichte. Im weiteren Jahresverlauf zeichnete sich eine Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung auf niedrigem Niveau ab. Das Jahr 2010 zeigt bereits vom ersten Quartal an eine wirtschaftliche Erholung, die den Einbruch zwar noch nicht wettmachte, aber eine gute Ausgangsbasis für die folgenden Jahre bot.
(Ende alter Text)

Zur Beachtung - unser Hinweis aus dem Jahr 2012 (!)
"Die Grafik Krisenjahr 2009 verbleibt auf dieser Webseite, um auch weiterhin einen Vergleich des Krisenjahres 2009 mit künftigen Veränderungen des BIP zu ermöglichen..."
Und schon waren wir im Krisenjahr 2020...

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Vorsicht Zahlenfallen

Die Quartalsvergleiche zur Entwicklung des BIP führen häufig zu Irritationen, da die Zahlenangaben zum Vorjahres-Quartal oft mit denen zum unmittelbaren Vor-Quartal verwechselt werden. Während der Vorjahresvergleich die reale langfristige Veränderung des BIP widerspiegelt, lässt der Vergleich mit dem unmittelbaren Vorquartal Aussagen über den Trend des BIP zu. Hierbei wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass eine Verringerung des BIP über einen Zeitraum von zwei Quartalen einen "Abschwung", und eine Erhöhung über diesen Zeitraum einen "Aufschwung" kennzeichnet.

Die Veränderung des BIP wird im Allgemeinen in preisbereinigten, verketteten Werten angegeben, die auch Grundlage für die in den o.a. Grafiken eingearbeiteten Daten sind. Werden Kalenderfaktoren und/oder Saisonfaktoren eingerechnet, ergeben sich zum Teil deutlich unterschiedliche Werte.


Jährliche Revision der Daten

Bitte beachten und nicht irritieren lassen: Neben der Erstberechnung des 2. Quartals 2022 hat das Statistische Bundesamt, wie zu diesem Veröffentlichungstermin üblich, auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse für die Quartale und Jahre ab 2018 überarbeitet und neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen der Ergebnisse einbezogen. Dabei ergaben sich für das preisbereinigte BIP Änderungen der bisherigen Ergebnisse von -1,0 bis +1,2 Prozentpunkten. Die verhältnismäßig hohen Revisionen ab dem Jahr 2020 resultieren aus der erhöhten Unsicherheit bei der Berechnung in den von der Corona-Pandemie betroffenen Jahren.


Erläuterungen
zur Generalrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen 

2019 wurden die gesamten Berechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) im Rahmen der Generalrevision 2019 grundlegend überprüft und überarbeitet sowie auf das Referenzjahr 2015 umgestellt. Um Brüche in den Zeitreihen zu vermeiden, wurden die Ergebnisse für Deutschland zurück bis 1991 neu berechnet, sodass es zu geänderten Ergebnissen in den gesamten Zeitreihen ab 1991 kommen kann. Für das reale Bruttoinlandsprodukt insgesamt ergaben sich dadurch neue Veränderungsraten, die um bis zu 0,3 Prozentpunkte (Jahre) beziehungsweise 0,6 Prozentpunkte (Quartale) von den bisherigen Ergebnissen nach oben oder unten abweichen. Das konjunkturelle Gesamtbild hat sich durch die Revision aber nicht geändert.

Die Revisionen werden routinemäßig durchgeführt, um neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen einzubeziehen. Die Berechnung des BIP und anderer makroökonomischer Größen wird damit sukzessive auf eine statistisch immer besser fundierte Datenbasis gestellt. Die für eine "finale" Berechnung der Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) notwendigen Basisstatistiken liegen vollständig spätestens nach vier(!) Jahren vor, so dass erst dann die Ergebnisse endgültig sind und nicht mehr regelmäßig revidiert werden müssen.