Bruttoinlandsprodukt Deutschland – Quartalsergebnisse

SPOTLIGHT: Im Jahr 2019 findet in Deutschland – wie in den meisten Mitgliedstaaten der Europäischen Union – eine umfassende Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) statt. In den VGR werden etwa alle fünf Jahre die Berechnungen grundlegend überarbeitet (zuletzt 2014). Für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt ergaben sich dadurch neue Veränderungsraten, die um bis zu 0,3 Prozentpunkte (Jahre) beziehungsweise 0,6 Prozentpunkte (Quartale) von den bisherigen Ergebnissen nach oben oder unten abweichen (Details siehe Erläuterungen am Seitenende).


Bruttoinlandsprodukt (BIP) im aktuellen Quartalsvergleich

Aktueller Quartalsvergleich

Die Grafik zeigt die prozentuale Veränderung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal (gelbe Säulen) und gegenüber dem jeweiligen Vorquartal (blaue Linie und Punkte). Die Werte im Vorquartalsvergleich sind in blauer Schrift unterhalb des Säulendiagramms ausgewiesen.

Bruttoinlandsprodukt, 2. Quartal 2019
-  0,1 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt)
·  0,0 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt)
+ 0,4 % zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt)

Das reale (preisbereinigte) Bruttoinlandsprodukt in Deutschland war im 2. Quartal 2019 saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % niedriger als im 1. Quartal 2019. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, hat sich die deutsche Wirtschaftsleistung somit etwas abgeschwächt. Im 1. Quartal 2019 hatte es noch einen Anstieg von 0,4 % zum 4. Quartal 2018 gegeben.

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (real, saison- und kalenderbereinigt) aus dem Inland: Die privaten Konsumausgaben waren höher als im 1. Quartal, und auch der Staat steigerte seine Konsumausgaben. Daneben wurde mehr investiert als im 1. Quartal, wobei die Bauinvestitionen rückläufig waren. Die außenwirtschaftliche Entwicklung bremste das Wirtschaftswachstum, da die Exporte im Vergleich zum Vorquartal stärker zurückgingen als die Importe.

Im Vorjahresvergleich stagnierte das reale BIP. Bereinigt um den Kalendereffekt ergibt sich ein Anstieg um 0,4 %, da im 2. Quartal 2019 ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand als ein Jahr zuvor. Im 1. Quartal 2019 hatte das reale BIP um 0,8 % (kalenderbereinigt: 0,9 %) höher gelegen als im Vorjahresquartal.

Weiterführender externer Link


Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Quartalsvergleich der letzten vier vollen Jahre

Quartalsvergleich der vier letzten vollen Jahre

Die Grafik zeigt in der gleichen Systematik wie das vorhergehende Schaubild die Veränderungen der BIP-Quartalsdaten für die letzten vier vollen Jahre von 2015 bis 2018. Im Vorjahresvergleich (gelbe Säulen) bewegen sich alle Zahlen im positiven Bereich. Im Vorquartalsvergleich (blaue Kreise/Linien) gibt es nur zwei geringfügig negative Ergebnisse - erstes Quartal 2015 (-0,2%) und drittes Quartal 2018 (-0,1%), während alle anderen Quartale positive Zahlen ausweisen.

Generell ist festzustellen, dass sowohl das preisbereinigte BIP gegenüber den Vorjahresquartalen höher als erwartet lag als auch das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP gegenüber den Vorquartalen zulegte. Beide Entwicklungslinien zeigten deutlich positive Marken, was vor allem auf eine starke Binnennachfrage und eine überraschend deutliche Steigerung des Exports zurückzuführen war.

Anmerkung: Nach der gängigsten Definition liegt eine Rezession (Abschwung der Wirtschaft) vor, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorquartalen nicht wächst oder ein Rückgang zu verzeichnen ist (sinkendes BIP). Während des gesamten hier betrachteten Zeitraums ist Deutschland nicht nur von einer Rezession verschont geblieben, sondern befindet sich seit 2010 in einer Phase deutlichen Aufschwungs.

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(dort u.a. Entwicklung des BIP der führenden 15 Staaten von 1992 bis heute)


Erläuterungen
zur Generalrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen 

2019 wurden die gesamten Berechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) im Rahmen der Generalrevision 2019 grundlegend überprüft und überarbeitet sowie auf das Referenzjahr 2015 umgestellt. Um Brüche in den Zeitreihen zu vermeiden, wurden die Ergebnisse für Deutschland zurück bis 1991 neu berechnet, sodass es zu geänderten Ergebnissen in den gesamten Zeitreihen ab 1991 kommen kann. Für das reale Bruttoinlandsprodukt insgesamt ergaben sich dadurch neue Veränderungsraten, die um bis zu 0,3 Prozentpunkte (Jahre) beziehungsweise 0,6 Prozentpunkte (Quartale) von den bisherigen Ergebnissen nach oben oder unten abweichen. Das konjunkturelle Gesamtbild hat sich durch die Revision aber nicht geändert.

Die Revisionen werden routinemäßig durchgeführt, um neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen einzubeziehen. Die Berechnung des BIP und anderer makroökonomischer Größen wird damit sukzessive auf eine statistisch immer besser fundierte Datenbasis gestellt. Die für eine "finale" Berechnung der Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) notwendigen Basisstatistiken liegen vollständig spätestens nach vier(!) Jahren vor, so dass erst dann die Ergebnisse endgültig sind und nicht mehr regelmäßig revidiert werden müssen.


Kommentar

Vorsicht Zahlenfallen

Die Quartalsvergleiche zur Entwicklung des BIP führen häufig zu Irritationen, da die Zahlenangaben zum Vorjahres-Quartal oft mit denen zum unmittelbaren Vor-Quartal verwechselt werden. Während der Vorjahresvergleich die reale langfristige Veränderung des BIP widerspiegelt, lässt der Vergleich mit dem unmittelbaren Vorquartal Aussagen über den Trend des BIP zu. Hierbei wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass eine Verringerung des BIP über einen Zeitraum von zwei Quartalen einen "Abschwung", und eine Erhöhung über diesen Zeitraum einen "Aufschwung" kennzeichnet.

Die Veränderung des BIP wird im Allgemeinen in preisbereinigten, verketteten Werten angegeben, die auch Grundlage für die in den o.a. Grafiken eingearbeiteten Daten sind. Werden Kalenderfaktoren und/oder Saisonfaktoren eingerechnet, ergeben sich zum Teil deutlich unterschiedliche Werte.