Globale Entwicklungshilfe

SPOTLIGHT: Erstmals erreicht Deutschland die Zielgröße von 0,7 Prozent Entwicklungsausgaben vom Bruttonationaleinkommen - bedingt durch die anrechenbaren Flüchtlingsausgaben im Inland. Ohne deren Anrechnung läge die Quote bei 0,52 Prozent. Das geht aus den Anfang April 2017 veröffentlichten vorläufigen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die Official Development Assistance (ODA) hervor.

Hintergrund: Jedes Jahr im April legt die OECD ein Geber-Nehmer-Ranking auf Grundlage der Meldungen der Mitgliedsstaaten vor. Die endgültigen ODA-Zahlen gibt die OECD am Jahresende bekannt. Für die ODA-Quote, das heißt das Verhältnis von Entwicklungsausgaben und Bruttonationaleinkommen, haben die Vereinten Nationen 1972 das Ziel von 0,7 Prozent ausgegeben.


Öffentliche Entwicklungshilfe in Prozent des BNE (globale Geber)

Entwicklungshilfe - versprochen / gebrochen

Der Anteil der Aufwendungen für die öffentliche Entwicklungshilfe (Official Development Assistance - ODA) wird in Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) gemessen. In der Grafik verglichen werden die 20 größten Geberländer der insgesamt 28 Mitglieder des Entwicklungshilfeausschusses (Development Assistance Committee - DAC) der OECD. Die Mitglieder des DAC haben im Jahr 1970 versprochen, 0,7% ihres Bruttonationaleinkommens (BNE) für die Entwicklungshilfe aufzuwenden.

Die grünen Balken zeigen diejenigen Länder, die dieses Ziel (grüne Linie) erreicht und überschritten haben, die gelben Balken diejenigen Länder, die das Ziel noch nicht erreicht haben.

Die rote Linie zeigt den durchschnittlichen ODA-Anteil aller 28 Geberländer im Jahr 2015 in Höhe von 0,3%. Deutschland liegt mit 0,52% nur wenig darüber und erfüllt nach mehr als 45 Jahren gerade einmal etwa zwei Drittel des versprochenen Beitrags.


Geberländer der globalen Entwicklungshilfe im Vergleich

Geberländer im Vergleich

Die Grafik vergleicht die realen Aufwendungen der größten Geberländer des DAC an der globalen Entwicklungshilfe in Milliarden US-Dollars (das Inlet-Foto zeigt sudanesische Kinder auf der Suche nach Getreidekörnern). Auffallend ist der relativ große Anteil der USA in Höhe von fast einem Viertel der weltweiten Entwicklungshilfe, die sich im Jahr 2015 insgesamt auf rund 132 Milliarden US-Dollar summierte. Deutschland liegt hinter den USA und Großbritannien auf dem dritten Platz.

Die hellbraunen Balken markieren die G7-Länder, deren Anteil sich auf annähernd drei Viertel der globalen Entwicklungshilfe beläuft. Die Entwicklungshilfe aller EU-Mitglieder im DAC zusammen beträgt etwas mehr als die Hälfte der globalen Unterstützung.

Angesichts der starken Wirtschaftsleistung der USA müsste der US-amerikanische Beitrag - relativ zu den EU-Geberländern gesehen - fast verdoppelt werden. Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass die USA ihre Unterstützung oft außerhalb der offiziellen statistisch ermittelten Entwicklungshilfe durchführen - natürlich, wie immer, verbunden mit deutlich nationalen Eigeninteressen.

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•  Deutsche Entwicklungshilfe

Weiterführender externer Link

  • OECD
    (Organisation for Economic Co-Operation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) - Webpräsenz in Englisch. Dort eine Vielzahl von Daten zu ODA und DAC)

Kommentar

Haste mal 'nen Euro? Keine Angst, Sie sollen nicht spenden. Nur einmal innehalten und Ihr Geld zählen. Und Sie brauchen noch nicht einmal einen Euro zu finden - 70 Cent tun es auch.

70 Cent pro Einhundert von ihnen erwirtschafteten Euro, das ist alles, was die Industrieländer Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts den Vereinten Nationen als finanzielle Entwicklungshilfe zugesagt hatten. Dieses Versprechen, nämlich 0,7% des Bruttonationalprodukts - heute als Anteil am Bruttonationaleinkommen (BNE) gemessen - für die Entwicklungshilfe aufzubringen, hat außer einigen wenigen, vor allem skandinavischen und Benelux-Ländern, kein Staat erfüllt.

Auch die Bundesrepublik Deutschland nicht. Im Gegenteil: Heute bringen wir gerade einmal etwa 0,52% auf, also etwa zwei Drittel der zugesagten Unterstützung - und auch das nur, weil in den letzten Jahren der Schuldenerlass für die ärmsten Länder als Entwicklungshilfe eingerechnet wurde.

Die EU war stolz darauf, dass sich ihre Mitgliedstaaten nach der Jahrtausendwende verpflichtet hatten, die öffentliche Entwicklungshilfe bis 2010 auf 0,51% und bis 2015 auf die bereits 1970 versprochenen 0,7% zu erhöhen. Wir schreiben das Jahr 2015: Der durchschnittliche EU-Anteil liegt bei gerade einmal 0,42%. Großartige Leistung, das...

Aber selbst die versprochenen 0,7 Prozent wären ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein, allerdings ein doppelt so großer Tropfen wie heute. Was wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht alles in unzähligen Betroffenheitsreden schwadroniert: Der internationale Terrorismus muss durch Armutsbekämpfung ausgetrocknet werden (als ob der Multimillionär Osama Bin-Laden durch Finanzspritzen hätte besänftigt werden können).

Und was wird aktuell angesichts der Flüchtlingsströme nicht alles in wohlfeilen Sonntagsreden verlangt: Man muss die Ursachen der Flucht bekämpfen und die Not dort lindern, wo sie entsteht. Und das mit durchschnittlich 52 Cent pro Hundert Euro? Ihr Pharisäer...

Nein, es geht um die Linderung der ärgsten Not der wirklich Notleidenden - nicht nur durch gelegentliches Spenden, sondern durch echtes Teilen.

Aber wer soll, wer will den Anfang machen?